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Fruchtfolge

Für den Laien kurz erklärt: Die Fruchtfolge ist die Aufeinanderfolge verschiedener Kulturen auf ein und demselben Schlag (=Feld, Acker) über mehrere Jahre. Je nach Anzahl der verschiedenen Kulturen ergeben sich dann drei-, vier- oder fünfgliedrige Fruchtfolgen. Die Fruchtfolgenlänge geht in Einzelfällen bis auf acht Glieder (=8 Jahre) hoch, die häufigste Fruchtfolge ist die drei- und viergliedrige.
Man kann allerdings nicht jede beliebige Frucht nacheinander anbauen. Das hat zum Einen rein technische Gründe, wie der Saatzeitpunkt. Man kann z. B. Winterraps nicht nach Mais anbauen, da letzterer erst im Oktober geerntet wird, Raps aber optimalerweise Mitte-Ende August schon gesät werden muss. Zum Anderen hat das phytosanitäre (pflanzengesundheitliche) Gründe, was auch der Hauptgrund für die Fruchtfolge ist. Z.B. kann Weizen nach Weizen zwar angebaut werden, jedoch erhöhen sich die Risiken für Kulturspezifische Krankheiten von Jahr zu Jahr. Dadurch sinkt der Ertrag bei steigender Intensität, denn die Pflanzenschutzmaßnahme müssen intensiviert werden. In einer "gesunden" Fruchtfolge wechseln sich Halmfrüchte (Getreidearten) mit Blattfrüchten (Rüben, Raps, Kartoffeln, Leguminosen) ab. Abwandlungen davon sind durch den Betrieb gegeben und sehr vielfältig.

Die Fruchtfolge auf dem Schirlinger Hof ist dreigliedrig und hat das Schema: Blattfrucht - Halmfrucht - Halmfrucht. Daraus ergibt sich, dass alle drei Jahre auf einem Schlag eine Blattfrucht, wie Raps, Zuckerrübe oder Mais (letzteres ist eigentlich keine "echte" Blattfrucht, wird aber als solche gestellt) steht. Da für Raps allerdings ein Drei-Jahres-Rhythmus zu kurz ist, muss auch hier die Blattfrucht so gut es geht ausgetauscht werden. Im folgenden werden die auf dem Schirlinger Hof angebauten Fruchtarten kurz vorgestellt:

(Foto: Roland Stamm)

Wintergerste (Hordeum vulgare, L.) ist in unserem Betrieb der Hauptlieferant für das Schweinefutter und wird i.d.R. nur für Futterzwecke angebaut. Sie steht bei uns auf ca. 10 ha, meist nach Winterweizen. Normalerweise werden mehrzeilige Sorten angebaut, bei der aus jeder Blüte ein Korn entsteht. Dadurch sehen die Ähren voller aus, die einzelnen Körner werden allerdings etwas kleiner als bei zweizeiligen Gerstensorten. Das bringt aber den Vorteil eines höheren Proteingehaltes mit sich, da der Schalenanteil höher ist.
Das Stroh der Wintergerste wird beim Mähdrusch gehäckselt und verbleibt auf dem Feld. Feiner Grannenstaub kann bei Schweinen zu Atemwegs- und Gesäugeentzündungen führen. Das Stroh ist ein wertvoller Humusbildner und deswegen wichtig für die Bodenfruchtbarkeit.

 

(Foto: Roland Stamm)

Winterweizen (Triticum aestivum, L.) wird auf dem Schirlinger Hof als Marktfrucht angebaut, d.h. ist für die Vermarktung als Brotgetreide vorgesehen. Daher ist die Qualität des Ernteproduktes ein besonders wichtiger Aspekt, alle ackerbaulichen Maßnahmen bis zur Ernte haben höchste Qualität des Weizens zum Ziel. Weizensorten werden nach ihren Qualitätseigenschaften eingeteilt:
E-Weizen (Eliteweizen), A-Weizen (Qualitäts-weizen), B-Weizen (Brotweizen), C-Weizen (Massenweizen) und K-Weizen (Keksweizen). Je nach genetischem Potenzial bzgl. der Qualität wie z.B. Backfähigkeit, Sedimentationswert, Fallzahl usw. wird die Weizensorte entsprechend als A-, B- oder E-Sorte bezeichnet. Grund dafür sind  Züchtungsziele, die nicht miteinander vereinbar sind, wie z.B. hoher Ertrag und höchste Backqualität. E-Weizen und A-Sorten sind Sorten, die vom genetischen Potenzial bei entsprechender Düngung höchste Qualität erreichen können, dafür ist das Ertragspotenzial begrenzt. B-Weizen und C-Weizen liegen in ihrem Ertragspotenzial besonders hoch, können aber nur mittlere Qualitäten erreichen.
Auf dem Schirlinger Hof wächst momentan die Weizensorte Achat, die als E-Sorte eingestuft ist. Der Ertrag sollte ca. bei 90 dt/ha liegen. Die Anbaufläche auf dem Schirlinger Hof für Weizen beträgt ca. 20 ha und steht in der Fruchtfolge nach Mais und Winterraps.
Das Weizenstroh wird z.T. auf Schwad fallengelassen und zu Rundballen gewickelt, die in unserem Laufstall für die Zuchtsauen eingestreut werden.

 

(Foto: Tilo Hauke)

Winterraps (Brassica napus ssp. oleifera, L.) wird auch als Marktfrucht angebaut, größtenteils als Non-Food-Raps zur Ölgewinnung für Biodiesel. Durch die Förderung von Biodiesel und die inzwischen wieder etwas attraktiveren Preise für Winterraps haben zu einer stetig steigenden Anbaufläche in Deutschland geführt (2007 ca. 1,5 Mio ha; Rekordwert laut UFOP). Auf dem Schirlinger Hof wird Raps auf ca. 7 ha angebaut. Aufgrund der Fruchtfolgeproblematik haben wir mit dieser Anbauintensität fast das Ende der Fahnenstange erreicht. Rein rechnerisch wären ca. 15 ha möglich, aber durch den Anbau der Zuckerrübe, die auf ca. 4 ha steht, sind dem Anbau von Raps hiermit Grenzen gesetzt.
Winterraps ist auch in der Fruchtfolge als sehr positiv zu bewerten, allein dadurch, dass er das Feld 11 Monate bedeckt. Durch seine tiefreichende Pfahlwurzel lockert er den Boden intensiv. Bei üppigen Beständen mit dadurch bedingter Beschattung liegt nach der Ernte ein sehr garer Boden vor, der sich sehr gut für die Folgefrucht bearbeiten lässt. Raps steht bei uns normalerweise nach Wintergerste, selten nach Winterweizen.
Das Ertragspotenzial geht in Sortenversuchen weit über die 50 dt/ha hinaus, bei uns liegt es etwa bei 40 - 45 dt/ha.
Weitere Inhalte folgen zu:

Triticale (Triticosecale Wittm.)

Zuckerrübe (Beta vulgaris ssp. vulgaris var. altissima)

Körnermais (Zea mays, L.)

Gelbsenf (Sinapis alba, L.)

 
   
   
   
   

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© Roland Stamm 2007

 

Bodenbearbeitung

Seit 2001 haben wir schrittweise auf Mulchsaat umgestellt, d.h. die bei der Bodenbearbeitung wird komplett auf den Pflug verzichtet. Dadurch wird in den Boden weniger intensiv eingegriffen und es entwickelt sich eine natürliche Stabilität (ca. 1,3 g/cm3), die zu einer besseren Befahrbarkeit führt und daher bodenschonend wirkt. Ein weiterer Vorteil ist die Erhöhung des Regenwurmanteils im Boden. Regenwürmer bilden Grobporen im Boden, die dabei helfen, Regenwasser abzuleiten. Dadurch wird Bodenerosion vermindert und zusätzlich ein schnelleres Abtrocknen der Böden bewirkt. Natürlich ist die Humusbildung durch die Regenwürmer und die Lockerung des Bodens ein weiterer wichtiger Vorteil. Wie hier im Bild zu sehen, verbleiben die Pflanzenreste, Ernterückstände genannt, im  oberen Bodenhorizont, wo sie von Bakterien und Bodenlebewesen zersetzt werden. Wird das Stroh beim Getreide nicht geborgen, so fallen i.d.R. Strohmengen von 60 - 70 dt/ha an. Diese müssen ordentlich in den Boden eingemischt werden, damit eine gleichmäßige und rasche Zersetzung stattfinden kann. Für die Zersetzung sind maßgeblich Bodenbakterien verantwortlich, die  Wärme, Feuchtigkeit und Stickstoff benötigen. Bodenfeuchte ist in normalen ausreichend vorhanden, Stickstoff kann in manchen Betrieben ein Mangelfaktor darstellen. In unserem Fall reicht der Stickstoffvorrat im Boden aus, um die Bakterien zu ernähren. Das liegt an der langjährigen und gleichmäßigen Düngung mit organischen Düngern wie Gülle und Mist auf unseren Flächen.

Im Folgenden wird der Ablauf der Bodenbearbeitung von der Ernte bis zur Aussaat der Folgefrucht erläutert.

1. Mähdrusch (Ernte)

In der Tat kann die Arbeit des Mähdreschers schon als Voraussetzung für eine optimale Aussaat der Folgekultur gesehen werden. In diesem Fall ist aber nicht von Interesse, was aus dem Korntank in den Anhänger gelangt, sondern wie das Feld vom Mähdrescher hinterlassen wird. Vor allem bei großen Arbeitsbreiten der Erntemaschinen (heute bis 10,5 m, bei uns je nach Lohnunternehmer 4,5 - 6 m) wird eine große Menge an Stroh in der Maschine auf relativ engem Raum konzentriert und muss hinter der Maschine wieder auf die Arbeitsbreite verteilt werden. Nur dann ist eine optimale Bodenbearbeitung mit guter Strohrotte und letztendlich einem guten Feldaufgang der Folgekultur möglich.
Das Bild rechts zeigt die Rückseite des Mähdreschers und die Arbeit des Strohhäckslers. Die Leitbleche sind so ausgerichtet, dass das Stroh wieder auf die ursprüngliche Arbeitsbreite verteilt wird. Bei noch größeren Arbeitsbreiten kommen zusätzlich spezielle Verteilerorgane zum Einsatz, die die Verteilung des Strohäcksels unterstützen.
Das Häckselgut hat eine Länge von 40 - 70 mm, was ebenfalls ein wichtiger Aspekt für die Strohrotte darstellt. Die Getreidestoppel auf dem Feld selbst sollte maximal 20 cm lang sein, ansonsten wird der nachfolgende Arbeitsgang empfindlich gestört.

 

 

2.Stoppelbearbeitung (Stuppelsturz)

Der eigentlich erste Schritt bei der eine Bodenbearbeitung stattfindet ist der sog. Stoppelsturz. Diese Arbeit erledigt bei uns ein Landsberg Grubber mit 13 Zinken und 2 Stachelwalzen als Nachlaufgerät. Er arbeitet auf einer Breite von 2,5 m und ist an sieben Zinken mit Flügelscharen ausgerüstet, die  flächendeckend arbeiten. Die hinteren sechs Zinken sind mit Doppelherzscharen ausgerüstet und arbeiten vorwiegend mischend. Die Stachelwalzen sollen zerkleinern und verteilen.
Maximale Arbeitstiefe sollte bei 8 - 10 cm liegen, damit Ausfallgetreide und Unkrautsamen nicht vergraben werden und keimen können. Die Bearbeitung erfolgt i.d.R. direkt nach der Ernte, da dann der Boden eine gute Restfeuchte hat, die für eine saubere Arbeit von Nöten ist. Ein zu feuchter Boden sollte aber nicht bearbeitet werden, da dabei starke Strukturschäden in der oberen Krume aber auch in der Tiefe entstehen können.

Im allgemeinen bleibt das Feld nun ca. drei Wochen liegen, bis das Ausfallgetreide im Zweiblattstadium ist und Unkrautsamen gekeimt haben.

 

 

3. Zweiter Grubberstrich

Mit diesem Arbeitsgang wird das aufgelaufene Getreide und auch gekeimte Unkgräser und Unkräuter bekämpft und eine weitere, etwas tiefere Durchmischung der Bodens erreicht. Oft wird dieser Arbeitsgang auch dazugenutzt, vorher ausgebrachten Kalk oder Gülle in den Boden einzuarbeiten. Für den zweiten Grubberstrich wird normalerweise dieselbe Maschine wie beim ersten Arbeitsgang verwendet. Je nach Zeitdruck kommt es aber auch vor, dass direkt der saatvorbereitende Tiefgrubber zum zweiten Grubberstrich eingesetzt wird.

4. Saatvorbereitung

Unmittelbar vor der Aussaat kommt i.d.R. ein Lemken-Grubber zum Einsatz, der mit 80 mm breiten, gewendelten Schmalscharen ausgerüstet ist. Diese Werkzeuge schaffen eine gute Durchmischung und erlauben eine Arbeitstiefe von ca. 20 cm. Dadurch wird der Boden tiefer durchmischt, ohne einen Bearbeitungshorizont mit Verdichtungen zu schaffen, wie es beim Pflügen passiert.
Die tiefere Einmischung des Strohs ist wichtig, damit zum einen die Zersetzung verbessert wird und zum Zweiten Nährstoffe aus den Ernteresten besser im Boden verteilt werden. Außerdem ermöglicht die tiefere Bearbeitung die Beseitigung von Verdichtungen aus dem Frühjahr, wenn bei widrigen Bodenverhältnissen Düngung und Pflanzenschutz durchgeführt wurde.

5. Aussaat

Die Aussaat von Getreide, Winterraps und Zwischenfrucht (Senf) erfolgt mit einer Kombination aus Kreiselegge und Sämaschine. Die Kreiselegge ist ein rotierendes Arbeitsgerät, was die Ackerkrume saatfertig bereitet. Größere Erdklumpen werden zerkleinert, ebenso Erntereste, die sich an der Bodenoberfläche befinden. Es folgt eine Packerwalze, die den Boden rückverfestigt, damit die Saatgutablage gleichmäßig tief erfolgen kann.
Das Saatgut wird durch die Sämaschine mit Rollscharen in den Boden abgelegt. Die Rollschare garantieren für ein störungsfreies Ablegen, da störende Erntereste beiseite geräumt werden. In die von den Rollscharen geschaffene Furche wird das Saatgut abgelegt und durch die nachfolgenden Exaktstriegel mit Erde bedeckt. Sollte es sehr trocken sein kommt nach der Aussaat noch die Walze zum Einsatz, damit das Saatgut im Boden fester mit dem Untergrund in Verbindung kommt. Die vorhandene Bodenfeuchte wird dann besser ausgenutzt und das Saatgut keimt dann gleichmäßiger.

Die Fahrgassen, die man während des ganzen Jahres im Feld sieht, werden bei der Aussaat automatisch angelegt. Dazu steuert ein Rechner Nockenräder an je zwei Fallrohren links und rechts, die bei jeder vierten Saatspur abgestellt werden. Dadurch entstehen Fahrgassen mit einer Spurweite von 1,75 m, die sich alle 10 m wiederholen.
 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

   
   
   
   
 

© Roland Stamm 2007